Muss man Immobilien versichern?
Muss man Immobilien in der Türkei versichern: kurze Antwort
Ja, die Immobilienversicherung in der Türkei ist eine Pflicht für jeden Eigentümer, einschließlich Ausländer. Ohne eine gültige DASK-Police können Sie kein Eigentumsrecht (TAPU) registrieren, Wasser und Strom nicht anschließen und auch keine Hypothek erhalten. Dabei reicht eine obligatorische Police allein oft nicht aus für einen umfassenden Schutz – und hier ist der Grund.
Das Wohnungsversicherungssystem in der Türkei ist zweistufig: die staatliche obligatorische Erdbebenversicherung (DASK) und die freiwillige Wohngebäudeversicherung (Konut Sigortası). Erstere schützt die Bausubstanz, Letztere Ihr Eigentum im Inneren. Wir analysieren beide Arten im Detail.

Was ist DASK und warum geht es nicht ohne
DASK (Doğal Afet Sigortaları Kurumu) – die Anstalt für Naturkatastrophenversicherung, die 1999 nach dem verheerenden Erdbeben in Izmit von der türkischen Regierung gegründet wurde. Es handelt sich um ein staatliches Versicherungssystem, das landesweit gilt und durch das Gesetz Nr. 587 „Über die obligatorische Erdbebenversicherung“ geregelt ist. Heute gilt die türkische DASK als eines der erfolgreichsten Versicherungssysteme für Naturkatastrophen weltweit: Mit Stand 2025 sind im Land mehr als 11,2 Millionen Policen in Kraft, mit durchschnittlichen Kosten von etwa 37 US-Dollar.
Wann die DASK-Police obligatorisch ist
- Bei der TAPU-Registrierung – ohne gültige Police wird das Eigentumsrecht im Katasteramt nicht registriert;
- Beim Anschluss von Versorgungsleistungen – Verträge mit Wasser-, Strom- und Gasversorgern werden nur mit DASK abgeschlossen;
- Beim Immobilienverkauf – die Übertragung des Titels an den neuen Eigentümer ist ohne aktuelle Versicherung nicht möglich;
- Bei der Hypothekenaufnahme – türkische Banken verlangen DASK als zwingende Voraussetzung für die Kreditvergabe.

Was DASK abdeckt und was nicht
Viele Käufer gehen fälschlicherweise davon aus, dass die DASK-Police absolut alles schützt. Das ist nicht der Fall. Die Versicherung deckt nur die tragenden Bauteile des Gebäudes ab: Fundament, tragende Wände, Decken, Dach, Fenster, Treppenhäuser und Gemeinschaftsräume. Der Schutz greift bei Schäden, die unmittelbar durch ein Erdbeben verursacht wurden, sowie bei Bränden, Explosionen, Tsunamis und Erdrutschen, die direkt auf das Erdbeben zurückzuführen sind.
DASK deckt NICHT ab
- Möbel, Haushaltsgeräte und Elektronik;
- Persönliche Gegenstände, Kleidung, Einrichtungsgegenstände;
- Innenausbau – Bodenbeläge, Tapeten, Wandanstrich;
- Schäden durch Überschwemmungen, die nicht auf ein Erdbeben zurückgehen;
- Diebstahl, Vandalismus und rechtswidrige Handlungen Dritter;
- Kosten für vorübergehende Unterbringung bei Beschädigung der Wohnung;
- Mietausfall während der Wiederherstellung.
Zudem hat DASK eine Deckungssumme – den maximalen Entschädigungsbetrag, der jährlich vom Staat unter Berücksichtigung der Inflation und der Baukosten pro Quadratmeter neu festgelegt wird. Übersteigt der Marktwert Ihrer Immobilie diese Grenze, wird die Differenz von DASK nicht erstattet.

Was kostet die DASK-Versicherung
Der Preis der DASK-Police ist relativ günstig und hängt von mehreren Faktoren ab:
- Region der Immobilie. Die Türkei ist in seismische Zonen unterteilt. In Alanya und Antalya ist das Erdbebenrisiko minimal, daher ist die Versicherung günstiger. In Istanbul, Izmir oder Bursa, die in Zonen erhöhter seismischer Aktivität liegen, kostet die Police mehr.
- Fläche des Objekts. Je mehr Quadratmeter, desto höher die Versicherungsprämie.
- Baujahr und Bauart. Stahlbetonhäuser, die nach modernen seismischen Standards errichtet wurden, sind zu niedrigeren Tarifen versichert.
Im Durchschnitt kostet DASK in der Türkei zwischen 15 und 150 Euro pro Jahr. Zum Beispiel schlägt eine 1+1-Wohnung (etwa 50–60 m²) in Alanya mit etwa 900–1200 TL (ca. 30–40 Euro) Jahresprämie zu Buche. Eine vergleichbare Wohnung in Istanbul kann hingegen 2–3 Mal so teuer sein. Die Police gilt für ein Jahr und muss jährlich verlängert werden.
Freiwillige Wohngebäudeversicherung – Konut Sigortası
Die obligatorische DASK schützt nur die „Hülle“ des Gebäudes. Wenn Sie alles versichern möchten, was sich im Inneren befindet – Möbel, Geräte, Innenausbau, persönliche Gegenstände – müssen Sie eine freiwillige Wohngebäudeversicherung (Konut Sigortası) abschließen. Diese Versicherung wird bei privaten Versicherungsgesellschaften erworben und kann ein breites Spektrum an Risiken abdecken:
- Feuer, Explosion, Blitzschlag;
- Wasserschäden durch Leitungswasser und technische Anlagen;
- Einbruchdiebstahl und rechtswidrige Handlungen Dritter;
- Bruch von Glas, Spiegeln, Glasmalereien;
- Haftpflicht gegenüber Nachbarn;
- Kosten für vorübergehende Unterbringung im Versicherungsfall.
Die Kosten für Konut Sigortası hängen von der gewählten Risikokombination, der Versicherungssumme und der Selbstbeteiligung ab. Ein umfassendes freiwilliges Versicherungspaket schlägt im Durchschnitt mit 500–2000 TL pro Jahr (etwa 15–60 Euro) zu Buche. Viele Versicherer bieten zudem Rabatte, wenn DASK und Konut Sigortası zusammen abgeschlossen werden.
Ist eine zusätzliche Versicherung notwendig: drei Situationen
1. Wohnung zur Eigennutzung
Wenn Sie dauerhaft in der Türkei leben, ist die freiwillige Versicherung keine Formalität, sondern eine echte Notwendigkeit. Brand, Rohrbruch oder Diebstahl können Schäden verursachen, die mit den Reparaturkosten vergleichbar sind. Eine Konut Sigortası zahlt sich in diesem Fall mehrfach aus.
2. Renditeimmobilie zur Vermietung
Wird die Wohnung vermietet, schützt die freiwillige Police nicht nur Ihr Eigentum, sondern deckt auch die Haftpflicht gegenüber den Mietern. Darüber hinaus beinhalten manche Tarife eine Entschädigung für Mietausfälle während der Wiederherstellungsphase – für Investoren ein kritischer Punkt.
3. Objekt zum Erwerb der türkischen Staatsbürgerschaft
Beim Kauf einer Immobilie ab 400.000 $ für den Erwerb der türkischen Staatsbürgerschaft ist DASK zwingende Voraussetzung für das Geschäft. Allerdings hat die DASK-Police an sich keinen Einfluss auf den Werterhalt der Investition: Wenn Sie nicht vorhaben, dauerhaft in dem Objekt zu wohnen, bleibt die Wohnung ohne freiwillige Versicherung anfällig für Alltagsrisiken.
Wie man DASK abschließt: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Dokumente vorbereiten: eine Kopie des TAPU (oder des Kaufvertrags), einen Identitätsnachweis (Reisepass oder İkamet), die genaue Adresse des Objekts und dessen Fläche.
- Wenden Sie sich an eine Versicherungsgesellschaft – die DASK-Police wird von den meisten türkischen Versicherern angeboten (Allianz, AXA, Anadolu Sigorta u. a.); auch viele Immobilienagenturen helfen bei der Beantragung.
- Holen Sie einen Kostenanschlag ein – das Versicherungsunternehmen ermittelt den Tarif anhand von Region, Fläche und Gebäudetyp.
- Bezahlen Sie die Police – die Abwicklung dauert zwischen 15 Minuten und einigen Stunden.
- Bewahren Sie die Police auf – sie wird beim Anschluss von Versorgungsleistungen und bei der Umschreibung des TAPU benötigt.
Fazit
Die Immobilienversicherung in der Türkei ist nicht nur eine rechtliche Pflicht, sondern ein Instrument zum echten Schutz Ihrer Investition. DASK ist gesetzlich vorgeschrieben und kostet im Verhältnis zum Immobilienpreis nur Peanuts: 30–50 Euro pro Jahr für den Basisschutz der tragenden Bauteile vor der größten natürlichen Gefahr der Region – dem Erdbeben. DASK allein reicht jedoch nicht: Möbel, Geräte, Innenausbau und persönliche Gegenstände bleiben ungeschützt. Die freiwillige Versicherung (Konut Sigortası) schließt diese Lücken und kostet etwa genauso viel. Zusammen kostet ein umfassendes Versicherungspaket 60–100 Euro pro Jahr – ein geringer Betrag im Vergleich zu möglichen Schäden und den Kosten für den Wiederaufbau einer Wohnung.
Der wichtigste Rat: Schließen Sie beide Policen gleich beim Immobilienkauf ab. Das spart künftig Zeit, Nerven und Geld.